nachgereicht: Radiohead und Caribou in der Berliner Wuhlheide, 30.09.12

8. Februar 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Die ersten Besucher, die die Ticket- und Taschenkontrolle des zweiten Nachholkonzerts von Radiohead passieren, rennen über den Hügel zur Kindl-Bühne, um die erste Reihe vor der Bühne zu besetzen. Vorfreudiges Gemurmel in den unterschiedlichsten Sprachen: Die Zuschauer kommen für dieses Konzert aus ganz Europa angereist, einige spontan veranlagte Menschen konnten bis zuletzt Karten kaufen.

Caribou eröffnen mit einer gewohnt mitreißenden Mischung aus Indierock, Beatgetüftel und der Wucht von zwei Schlagzeugen, jagen Hits wie Sun und Odessa durch die Wuhlheide. Das Publikum verspürt trotz der frischen Temperaturen bei diesem Open Air Ende September erstaunlich wenig Bewegungsdrang.

Was Thom Yorke backstage macht, ist nicht bekannt, spätestens auf der Bühne jedenfalls beginnt sein Tanz. Dessen verquere Eleganz ist spätestens seit dem Video zu Lotus Flower bekannt, an diesem Abend sind seine Bewegungen zu Arpeggio oder Electioneering abgehackter. Sie werden über die quadratischen Monitore, von denen es für jeden Musiker zwei gibt, für die hinteren Reihen vergrößert.

Ob Yorke mit seinem Tanz nun die Musiker dirigiert oder doch von den Klängen um ihn herum besessen ist, er steht bei all der stets propagierten Gleichberechtigung der einzelnen Bandmitglieder jedenfalls deutlich im Zentrum der Aufmerksamkeit. Selbst zwei Schlagzeuger und ein Percussionist können seine Stimme nicht unterkriegen und die Zuschauer bewegen sich.  Aber Radiohead können natürlich auch ganz ruhig und reduziert spielen: Den Pyramid Song spielt Yorke allein am Flügel bis irgendwann sachte seine Mitmusiker einsteigen. Die kollektive Gänsehaut kommt dieses Mal nicht von der kalten Luft.

Den Zuschauern bleibt nichts anderes, als zu Staunen und sich von einer Band berauschen zu lassen, die es nach langen Touren schafft, die komplexesten Songs nahezu perfekt auf die Bühne zu bringen. So genießen Radiohead unaufgeregt was sie tun und spielen souverän, trotz zwei falscher Einstiege (Yorke an Clive Deamer: „You’re just here to confuse us, eh?“). Schließlich ruft Yorke alle Menschen mit Kamera dazu auf, trotz der Sicherheitsleute das Konzert aufzunehmen, nach dem Live-Mitschnitt aus Fan-Videos vom Prager Konzert eine vertraute Ansage. Fleißige Filmer dürften dieses Mal für die Tube-Gemeinschaft neben vielen Songs von den Alben King of Limbs, In Rainbows und OK Computer auch neue Lieder aufgenommen haben.

Nach circa zweieinhalb Stunden Spielzeit ist das Konzert beendet. Möglicherweise eingefangene Erkältungen haben sich definitiv gelohnt.

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