Piel über Peel

23. Februar 2012 § 3 Kommentare

Zwei Menschen in einer Kneipe. Zwischen ihnen ein Aufnahmegerät.

Elle Honkytonk: Don, schön, dass ich dich zum Interview begrüßen darf.

Don Piel: Tja, sie haben gutes Bier hier. Gutes Bier.

Elle: Prost! Ich habe heute an mehreren Stellen gelesen, dass die Plattensammlung deines verstorbenen Bruders John digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht werden soll. Was sagst du dazu?

Don: Oh, ich finde das großartig! Zumal ich jetzt auch mal virtuell in seinem Plattenschrank werde stöbern dürfen, ich durfte mir früher ja nie mal etwas ausleihen.

Elle: Soll das heißen, John hat dich nie an seinen Plattenschrank gelassen?

Don: Er hat mir immer auf die Finger gehauen und mich bis zur nächsten Radiosendung vertröstet. Vielleicht hatte er Angst, dass ich irgend etwas zerkratze. Jedenfalls stehe ich deshalb nicht ganz umsonst so ein klein wenig in seinem Schatten und friste ein lückenhaftes Dasein in einem seltsamen Musik-Blog. Ich war ihm deswegen aber nie böse, dafür hatte er einfach zu gute Ohren. Und ich hab dafür die Links. Irgendwann, wenn ich mal abnippel, möchte ich, dass ein Archiv nur mit Links veröffentlicht wird, bei dem…

Elle: Ähm, ja. Weißt du, ich habe mich gefragt, ob bei dieser unglaublichen Masse von Daten, die Rede ist von 2500 Alben, die mitsamt Notizen und Künstler-Interviews veröffentlicht werden sollen, ob da die angepeilte zeitliche Begrenzung Sinn macht? Das Archiv soll ja nur von Mai bis Oktober zugänglich sein.

Don: Ach, ich könnte mir gut vorstellen, dass das vielleicht so eine Art Test ist, wie groß die Nachfrage danach ist usw. Vielleicht wird die Laufzeit dann ja sogar verlängert, oder es gibt kostenpflichtige Abos dafür.

Elle: Oder eine App.

Don: Ja, sowas. Heutzutage gibt’s doch für alles eine App. Vielleicht findet sich auch eine ganz andere Lösung, ich denke, da muss man einfach abwarten. Eventuell wird später dann ja sogar noch mehr online zur Verfügung gestellt. Die angesprochenen 2500 Alben sind ja nur ein Bruchteil seiner eigentlichen Sammlung. Von daher bin ich auch gespannt auf die Auswahl.

Elle: Also als Außenstehende interessieren mich tatsächlich am meisten die Räumlichkeiten, die sollen ja virtuell nachgebaut werden.

Don: Hoffentlich ohne Teeflecken und Unordung.

Elle: Mal eine andere Frage: Warum schreibst du dich eigentlich mit „ie“ statt „ee“?

Don: Das ist quasi die eingedeutschte Form meines Kunstnamens. Außerdem wollte ich früher nicht ständig gleich mit meinem Bruder verglichen werden, weißt du, da war es besser, das nicht so breit zu treten.

Elle: Dafür hast du die Verwandtschaft aber immer sehr gerne erwähnt.

Don: Hab ich?

Elle: Hast du!

Don: … Ehrlich gesagt war das so: Ich kam nach Deutschland und irgend so ein Trottel hat meinen Namen einfach falsch geschrieben und als ich ihm sagte, wer ich bin… naja. Dieser Trottel hat mir nicht geglaubt, mich ausgelacht und seltsamerweise ist diese Schreibweise dann so an mir hängen geblieben. Jetzt zufrieden?

Elle: Sehr! Zurück zum eigentlichen Thema und somit zur letzten Frage. Welche von Johns Entdeckungen und Empfehlungen gefallen dir am besten?

Don: Hmm, schwer zu sagen, bei der Masse. Was die Musik angeht, möchte ich da nur ungern etwas heraus picken. Zeitweise sehr inspirierend fand ich seine Frisur.

Elle: Soso. Na dann, Don, bis zum nächsten Mal!

Antillectual – Start from Scratch!

15. November 2010 § Ein Kommentar

Don: Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, das hier ist die Don Piel Show, heute wieder mit Elle Honkytonk als Gast. Elle, welche Platte hast du uns heute mitgebracht?

Elle: Das neue Album von Antillectual aus Nijmegen. Das heißt Start from Scratch! und ist Ende Oktober bei Destiny Records erschienen, in Zusammenarbeit mit mehreren Labels europaweit.

Don: Das ist inzwischen schon ihr drittes Album und sie haben sich prominente Unterstützung geholt, nicht wahr?

Elle: Ja, bei „So much more“ singt Heleen Tichelaar von Midnight Menace mit. Und bei „Cut the Ground from under our Feet“ hat Chris Hannah von Propagandhi mit ins Mikro geschrien, das ist auch der härteste Song des Albums, bei den meisten anderen bewegen sie sich sehr geschickt zwischen Melodic Punk und Hardcore. Das ist zwar keine Neuerfindung der Rockmusik, aber schon eine aufregende und gleichzeitig eingängige Mischung.

Don: Ja, ein tolles Wechselspiel von Hooklines und Breaks, und die Texte sorgen auch dafür, dass es einem mit dem Album nicht so schnell langweilig wird.

Elle: Das Themenfeld umspannt die Wirtschaftskrise, die Hausbesetzerszene und Tierschutz, beziehungsweise Vegetarismus und das durchaus auf eine gewitzte Art. Manchmal finde ich es ein bisschen zu parolenbehaftet.

Don: But that’s Punk!

Elle: Nur eine persönliche Anmerkung, Don. Die meisten Songs sind viel zu gut abgestimmt, als das mich das wirklich stören würde. Das ist eine sehr gute Produktion.

Don: Stimmt, es ist fast ein bisschen glatt, stellenweise. Dürfte ruhig etwas mehr Schrammeln. Aber der Beliebtheit wird dieser Sound sicher nicht im Weg stehen.  Mein Lieblingsstück ist übrigens gleich das erste Lied. Ein sehr gelungener Opener, der zieht mich jedes Mal so richtig in die Platte rein und dann lasse ich sie doch ganz laufen, obwohl ich erst nur das eine Lied hören wollte.

Elle: So much more versucht dazu den passenden Abschluss zu bilden, mit einer singenden Menge am Ende. Das klingt sehr nach einer Konzertzugabe. Wobei ich sagen muss, dass mein Lieblingssong „Some of my best Friends are Meat Eaters“ ist. Aber das Album ist insgesamt sehr gut.

Don: Für Fans von Melodic Punk lohnt sich auf jeden Fall intensives reinhören. Vielen Dank, dass du gekommen bist, Elle!

Elle: Immer wieder gerne.

Don: Und zum Schluss haben wir noch den Opener-Track „Every Crisis is a Moral Crisis“ für euch.

Beauty von Kraków Loves Adana und das Konzert am 1. September 2010 im Uebel&Gefährlich

2. September 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Im Studio einer Radiostation.

Don: Einen schönen guten Abend meine Damen und Herren! Sie hören die Don Piel Show live aus dem Studio und wie immer habe ich mir jemanden eingeladen, mit dem ich mich ein bisschen über Musik unterhalten kann. Heute begrüße ich Elle Honkytonk vom Press Play! Musikmagazin.

Elle: Hallo!

Don: Wir wollen heute etwas länger über Kraków Loves Adana sprechen. Fangen wir mit dem Album Beauty an, das erschien am 2. Juli 2010 bei Snowhite, Universal als CD und auf Vinyl. Was halten Sie von der Platte, Frau Honkytonk?

Elle: Oh, das kann ich ganz kurz sagen: Ich liebe sie. Und ich finde sie wirklich schön, das Plattencover, das Booklet und natürlich die Musik. Deswegen war ich auch doppelt motiviert, als mich Press Play! zu ihrem Konzert gestern in Hamburg geschickt hat.

Don: Zu dem Konzert kommen wir später natürlich auch noch, bleiben wir erst einmal beim Album oder generell bei der Musik. Wie würden Sie die charakterisieren? Das Wort minimalistisch ist ja schon gefallen.

Elle: Die Instrumente (das sind Gitarre, Bass und Klavier, ein dezent eingesetztes Minimoog und das Schlagzeug fehlt in manchen Liedern sogar ganz) stehen nicht so sehr im Vordergrund, denn die Musik von Kraków Loves Adana lebt sehr stark von Deniz Ciceks Stimme, die empfinde ich als sehr warm und angenehm, erinnert stellenweise vielleicht etwas an Aimee Mann. Sie singt auf Englisch und damit verbunden gibt’s dann auch den einzigen negativen Kritikpunkt von meiner Seite: Ich finde man hört manchmal zu sehr, dass sie kein nativ-english-speaker ist, da ist schon ein recht deutlicher deutscher Akzent vorhanden.

Don: Naja, gut. Aber man kann andersherum auch sagen, dass sich einige weitaus wichtigere Personen des öffentlichen Lebens von der Aussprache mal was abhören könnten, wenn sie verstehen, was ich meine. Angeblich haben Cicek und Heitmann sich des Klanges wegen für’s Englische entschieden und ich finde es klingt wirklich sanfter so, schöner eben, was dann wieder dem Titel Beauty gerecht wird.

Elle: Aber wie sagt man? Man kann auch in Schönheit sterben.

Don: So weit ich weiß, tut man das nur gelegentlich im Fußball, aber davon sind wir hier mit dieser Platte ganz weit weg und ich denke ähnliches gilt für den gestrigen Auftritt im Uebel&Gefährlich. Den fand ich fast einwandfrei, nur das Delay kam mir an ein, zwei Stellen etwas unpassend vor. Die Spielzeit von etwas über einer Stunde ist, wenn man erst ein Album in petto hat, absolut angemessen und die Atmosphäre war ja wohl super, oder?

Elle: Das mit dem Delay sehe ich ähnlich, aber bei der Atmosphäre bin ich mir nicht ganz so sicher. Dafür, dass es so wunderschöne, perfekt gespielte Musik in einem so kleinen Rahmen war, fehlte mir dann doch irgend etwas. Ich hatte nicht das Gefühl, in etwas hinein gesogen zu werden. Verstehen Sie das nicht falsch, ich habe das Konzert sehr genossen, aber es gab da irgend einen Funken, der nicht ganz auf das Publikum übergesprungen ist. Es war begeistert, aber es war nicht so verzaubert wie ich vorher gedacht habe.

Don: Na, aber das ist ja vielleicht auch ein sehr subjektiver Eindruck. Ich fand es in diesem von außen so monströs aussehenden Betonklotz von Gebäude erstaunlich gemütlich, nachdem Tomas Engel den Abend trotz Erkältung so gekonnt eingeleitet hatte und habe den Blick aus den engen Fenstern raus auf das nächtliche Hamburg sehr genossen. Wenn das Konzert jetzt noch tatsächlich auf der Dachterrasse stattgefunden hätte, was wegen des Wetters leider nicht ging, also ich glaube aller spätestens dann hätten auch Sie gegen die Atmosphäre nicht mehr ein Wort zu sagen, Frau Honkytonk.

Elle: Wahrscheinlich haben Sie recht, ist ja auch schön, wenn Sie sich wohl gefühlt haben, Herr Piel.

Don: Da sagen Sie was! Aber mit Ihnen heute Abend hat’s mir auch Spaß gemacht, Frau Honkytonk.

Elle: Was für ein gelungenes Schlußwort.

Don: Ja, ne? Und unsere Sendezeit ist auch tatsächlich so gut wie rum. Meine Damen und Herren, das war’s mit der Don Piel Show für heute Abend, bis zum nächsten Mal!

Kraków Loves Adana – Porcelain from Snowhite on Vimeo.

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